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Konflikt in Thailand

Was ist eigentlich los in dem Land des Lächelns?

Generell ist die Berichterstattung in den europäischen Medien in Bezug auf die Demonstrationen in April und Mai 2010 in Bangkok, Thailand sehr reißerisch gewesen. Während ein riesiges Geschäftszentrum über Wochen besetzt war, wurde nur wenig berichtet. Man stelle sich vor, in Berlin wäre "Unter den Linden" besetzt worden. Die deutschen Behörden hätten sicherlich schneller und mit weniger Geduld gehandelt als die Behörden in Thailand, die die Besetzung über Wochen duldeten.

Als es jedoch zu Ausschreitungen kam, stürzten sich die Medien auf diese Informationen ohne weitere Hintergründe zu nennen. So wurde hauptsächlich die Meinung verbreitet, es handelt sich um einen Konflikt zwischen arm (Rothemden) und reich (Gelbhemden).

Wenn man jedoch die Medien vor Ort verfolgt, handelt es sich um viel mehr als um einen solchen Konflikt.

Sehr guter Bericht in Spiegel online - "Die Guten lassen sich schlecht ausmachen"

Nachdem sich die Lage im Land jetzt wieder normalisiert hat, kommt es darauf an, wie beide Lager sich nähern und der Konflikt gelöst wird.

Während teilweise nicht gewaltätige inhaftierte Rothemden wieder freigelassen wurden, beschäftigt die Regierung auch die Frage, wer die Proteste finanziert hat und wer ggf. die Hintermänner sind. Immer wieder kommt in diesem Zusammenhang auch der ehemalige Ministerpräsident Thaksin zur Sprache, der im Exil lebt und in Thailand als Drahtzieher und Finanzierer der Proteste gilt und inzwischen für Terrorismus angeklagt ist.

 

Worum geht es eigentlich in den immer wiederkehrenden Protesten?

Vereinfacht gesagt findet man häufig diese Aussagen: Es stehen sich zwei politische Lager gegenüber. Die Gelbhemden und die Rothemden. Die Gelbhemden kommen vorwiegend aus der oberen Schicht Thailands. Die Rothemden kommen vorwiegend aus den ärmeren Schichten und meinen, die aktuelle Regierung würde zu sehr im Interesse der Eliten regieren. Der Konflikt wird schon seit vier Jahren ausgetragen, seitdem der bei den Rothemden beliebte Ministerpräsident Thaksin Shinawatra bei einem unblutigen Militärputsch abtreten musste.

Wer sich jedoch detailliert mit der Materie beschäftigt findet heraus, dass die Lager keineswegs so einfach zu umreissen sind. In dem Fall der Demonstrationen der Rothemden gab es auch einen militanten Teil der Demonstranten. Es ist sehr schwierig die Lage zu beurteilen. Wichtig ist es, daß sich die Lage im Land beruhigt und Kompromisse gefunden werden können.

Was wollen die jeweiligen Lager erreichen?

In dem Konflikt in Thailand ist immer wieder von Rothemden und Gelbhemden die Rede. In den Nachrichten sieht man dementsprechend auch jeweils Massen von Menschen die rot oder gelb gekleidet sind und damit demonstrieren, welchem politischen Lager sie angehören.

Vorgeschichte:

Um den Konflikt in Thailand zu verstehen, muß man die Geschichte des ehemaligen Regierungschef Thaksin Shinawatra verstehen, der sehr umstritten und dennoch unglaublich beliebt ist. Er lebt inzwischen im Exil und hat dennoch die Kontakte um einen Konflikt erneut anzuheizen. Er hat das Land in zwei politische Lager gespalten. Die Rothemden und die Gelbhemden. Seine Anhänger sind die Rothemden, vor allem die ärmeren Bevölkerungsschichten, obwohl Thaksin selbst als reichster Mann Thailands gilt. Zu den Gelbhemden zählt vor allem die Bangkoker Elite.

Wie kam es zu dieser paradoxen Situation?

Im Jahr 2006 gab es einen unblutigen Militärputsch, in dem der Regierungschef Thaksin Shinawatra abgesetzt wurde und wegen Korruption angeklagt wurde. Seine Partei wurde verboten.

Er war im Jahr 2001 mit der TRT Partei demokratisch gewählt und vor allem in der ärmeren Bevölkerungsschicht sehr beliebt, da er ihnen eine erschwingliche Gesundheitsversorgung und Kleinkredite gab. Außerdem soll es zu Stimmenkauf im Norden des Landes gekommen sein. Weiterhin wirtschaftete er auch in eigene Tasche und gab dem Militär so den Grund, ihn wegen Korruption anzuklagen. Seine Beliebtheit ist trotz seiner korrupten Machenschaften bei seinen Wählern ist aber ungebrochen, so daß Thailand seit diesem Putsch nicht zur Ruhe kommt.

Thaksin hat wie niemand zuvor das Land gespalten und in seiner Amtszeit alte Seilschaften aufgelöst. Vor seiner Amtszeit besetzten vor allem einflussreiche Bangkoker Familien wichtige politische Schlüsselpositionen. Diese besetzte Thaksin neu und zog sich so den Zorn der Oberschicht inklusive des Militärs auf sich. Diese Protestbewegung der Oberschicht formierte sich in der Volksallianz für Demokratie - der PAD, den Gelbhemden. Sie unterstützt in der Regierung die Demokratische Partei, die älteste Partei Thailands.

Die PAD hat zwar erreicht, daß Thaksin 2006 abgesetzt wurde und zwischenzeitlich das Militär für ein Jahr regierte, aber einen Sieg an der Wahlurne in 2007 konnte die PAD für die demokratische Partei nicht durchsetzen, da die Thaksin weiterhin in den bevölkerungsreichen ärmeren Schichten ungebrochen beliebt war.

Seine Partei war zwar verboten, aber die Bevölkerung wählte Weggefährten von Thaksin in neue Ämter in der Nachfolgepartei People's Power Party PPP. Die demokratische Partei blieb in der Opposition.

Im Jahr 2008 formierte sich erneuter Widerstand der PAD, den Gelbhemden gegen die PPP.

Im Laufe dieses Widerstands mußte Regierungschef Samak abtreten. Grund war ausgerechnet seine Kochleidenschaft. Mit seiner Nebentätigkeit als Fernsehkoch hatte er laut Gericht gegen die Verfassung verstossen. Sein Nachfolger wurde ausgerechnet ein Schwager Thaksins - Somchai Wongsawat. Somit wurde der Protest der Gelbhemden gegen die PPP noch stärker und gipfelte schließlich mit der Schließung des Bangkoker Flughafens. Zehtausende Touristen saßen tagelang fest.

Anfang Dezember 2008 wurde die PPP vom Gericht schließlich wegen Stimmenkauf verboten und aufgelöst. Der Regierungschef wurde entlassen und die Proteste lösten sich auf. Aus Sicht der PPP und der Rothemden war dies ein verdeckter Staatstreich und prangert die jetzige Regierung als Diktatur an.

Die Nachfolgepartei PTP (Puea Thai Party) schaffte es nicht sich bei den Neuwahlen durchzusetzen. Seitdem regiert die demokratische Partei.

 

Gelbhemden:

Die Gelbhemden sind Anhänger der Volksallianz für Demokratie (PAD), eine Gruppe von Gewerkschaftern, Menschenrechts- und Polit-Aktivisten. Diese setzt sich vor allem aus der Oberschicht, Geschäftsleuten, Anhängern des Königs und Gewerkschaftern zusammen. Sie kleiden sich in der Farbe des Königs gelb um die Loyalität zum Königshaus auszudrücken. Sie unterstützen die demokratische Partei, die Regierungspartei (Stand Juni 2010).

 

Rothemden:

Anhänger des vom Militär gestüzten Ministerpräsidenten Thaksin Shinawatra. Er ist vor allem im Norden und Nordosten Thailands sehr beliebt. Sie werfen der Regierungspartei vor, eine Diktatur zu führen. Sie verlangen den Rücktritt des Ministerpräsident Abhisit und werfen ihm vor, nur mit Unterstützung der Armee und im Interesse der Eliten zu regieren. Ihren Protest wollen Sie erst beenden, wenn sie Neuwahlen durchgesetzt haben. Sie sind in der United Front for Democracy against Dictatorship formiert - kurz UDD.

Die Rothemden unterstützen die PTP Partei, die zur Zeit thailändische Oppositionspartei in der Regierung ist.